März 2015
28.03.2015
Buchvernissage
Gerald Raunig, DIVIDUUM
Gerald Raunig
 

28.03.2015
19,00 Uhr

 

Buchvernissage
Gerald Raunig, DIVIDUUM
Gerald Raunig
 

Deutsch (English below)

Gerald Raunig, DIVIDUUM

Buchvernissage mit Gerald Raunig, mit performativen Lesungen und Interventionen von Niki Kubaczek, Isabell Lorey und Alexander Tuchaček.

Die Buchvernissage ist Teil des Programms der 11. kritnet Tagung mit dem Schwerpunktthema «Ökonomie und Rassismus im europäischen Migrations- und Grenzregime», die vom 26. bis 29. März 2015 in der Shedhalle und in anderen Räumen in Zürich stattfindet.


Gerald Raunig, DIVIDUUM, cover (back and front)


Erst die Erschaffung einer Mitte, in der die vielen Komponenten der Maschine auseinander- und zusammenstimmen, lässt das Gras von der Mitte des Stengels her wachsen. Eine dividuelle Maschine also, teilbar und teilend. Dort, in der reissenden Mitte des Dividuellen, braucht es keinen Grund, keine Wurzel, keinen Boden, keine Wände, die Leitern halten, keine weissen Wände, die Gesichter zeigen. Dort verketten sich die Körpermaschinen, die sozialen Maschinen, die molekular-revolutionären Maschinen, mit den Textmaschinen, dort entsteht aus mannigfaltiger Geisterhand die dividuell-abstrakte Linie.

Dividuum entwickelte sich als Begriff zusammen mit seinem Negativ, dem Individuum. In frühen römischen Komödien erscheint es als Marker für Sklaverei und gegenderte Herrschaft, und zugleich für Weisen des Wegstehlens und Fliehens aus diesem extrem herrschaftlichen Konnex. In der lateinischen Philosophie dient es zur Übersetzung des Teilbaren (im Gegensatz zum Atom), und dann in der Spätantike und Scholastik als Teil der theologischen Diskussion über Mannigfaltigkeit und Singularität der Dreifaltigkeit. Hier, in den hochmittelalterlichen Texten des Bischofs Gilbert de Poitiers, findet sich der Ausgangspunkt des Narrativs der Dividualität als zeitgenössische Produktionsform und Lebensweise. Zeitgenössischer dividuell-maschinischer Kapitalismus basiert nicht nur auf der Unterordnung des Menschen unter Maschinen, die in menschliche Körper und Geister eindringen, sondern auf maschinischer Dienstbarkeit und Selbst-Teilung durch soziale Medien, Quantifizierung des Selbst und vielfältige Formen des Anhängens an die Maschinen. Und auch auf den abstrakt-dividuellen Linien von Big Data, algorithmischer Logistik und Derivaten, die die individuellen Körper von Personen und Dingen wie auch ihre Wünsche und Sozialitäten durchqueren. Wenn wir vor diesem Hintergrund adäquate Formen des Widerstands in Betracht ziehen wollen, müssen wir sie auch auf der Ebene von Division, Dividualität, Condividualität denken.

Das Tier der moekularen Revolution wird kein Maulwurf sein und keine Schlange, sondern ein Drohnen-Tier, fest, flüssig und gasförmig. Un/Gefüge.

English (Deutsch siehe oben)

Gerald Raunig, DIVIDUUM

A book launch with Gerald Raunig, with performative readings and interventions by Niki Kubaczek, Isabell Lorey and Alexander Tuchaček.

The book launch is part of the program of the 11th kritnet Convention on the theme of «Economy and Racism in the European Migration and Border Regime», which takes place at Shedhalle and in other spaces in Zurich from 26 to 29 March 2015.

Posted by Corner College Collective